Volleinspeisung: Wann sich der vollständige Verkauf des Solarstroms lohnt

Geschrieben von:
Lucas Fischer
Veröffentlicht am:
Photovoltaik
Förderung & Finanzierung

Bei der Volleinspeisung verkaufst du den kompletten Solarstrom ans Netz und verbrauchst nichts davon selbst, dafür gibt es eine deutlich höhere Einspeisevergütung als bei der üblichen Überschusseinspeisung. Aktuell liegt diese Vergütung für Anlagen bis 10 Kilowattpeak bei 12,22 Cent je Kilowattstunde, während die Teileinspeisung nur 7,7 Cent bringt, was zunächst nach mehr Geld klingt, doch so einfach ist die Rechnung nicht.
Der Unterschied zur Überschusseinspeisung
Bei der gängigen Teil- oder Überschusseinspeisung nutzt du den Solarstrom zuerst selbst und speist nur den Rest ein, und der Clou dabei ist, dass jede selbst verbrauchte Kilowattstunde teuren Netzstrom ersetzt, der dich rund 30 bis 35 Cent kostet. Eingespeister Strom bringt dagegen nur die Vergütung, weshalb Eigenverbrauch fast immer wertvoller ist als Einspeisung, selbst wenn die Volleinspeisevergütung höher ausfällt.
Wann lohnt sich Volleinspeisung trotzdem?
Volleinspeisung rechnet sich vor allem dann, wenn der Eigenverbrauch ohnehin niedrig wäre, was typisch ist bei großen Dachflächen, die mehr Strom liefern, als im Haus je verbraucht wird, oder bei Gebäuden, die tagsüber leer stehen. Auch wer eine zweite Anlage gezielt zur Einspeisung baut, kann von der höheren Vergütung profitieren. Entscheidend ist immer das Verhältnis, denn je weniger Strom du sinnvoll selbst nutzen kannst, desto eher schlägt die Volleinspeisung die Teileinspeisung.
Ein Rechenbeispiel zur Volleinspeisung
Angenommen, eine Anlage erzeugt im Jahr rund 9.000 Kilowattstunden, dann bringt das bei reiner Volleinspeisung mit 12,22 Cent je Kilowattstunde etwa 1.099 Euro Vergütung. Bei Teileinspeisung mit einem Eigenverbrauch von zum Beispiel 3.000 Kilowattstunden ersetzt dieser selbst genutzte Strom teuren Netzstrom für rund 30 Cent, was etwa 900 Euro Ersparnis entspricht, und die verbleibenden 6.000 Kilowattstunden bringen bei 7,7 Cent noch einmal rund 462 Euro, zusammen also etwa 1.362 Euro. In diesem Fall liegt die Teileinspeisung klar vorn, und genau dieses Muster kehrt sich erst um, wenn der Eigenverbrauch sehr niedrig ist, weil dann der wertvolle selbst genutzte Anteil fehlt und die höhere Volleinspeisevergütung überwiegt.
Festlegung und Fristen beachten
Die Entscheidung für Volleinspeisung musst du dem Netzbetreiber vor Beginn des Jahres mitteilen, in dem sie gelten soll, und sie gilt dann jeweils für ein Jahr. Wichtig ist außerdem das Inbetriebnahmedatum, weil die Vergütungssätze regelmäßig sinken, sodass die aktuellen Sätze für eine Inbetriebnahme bis zum 31. Januar 2027 gelten und es danach zum 1. Februar 2027 um ein weiteres Prozent nach unten geht.
Die ehrliche Einordnung
Für das klassische Einfamilienhaus mit Wärmepumpe oder E-Auto, bei dem viel Strom im Haus bleibt, ist die Teileinspeisung mit hohem Eigenverbrauch meist die bessere Wahl, während Volleinspeisung die Lösung für Dächer ist, deren Strom sonst kaum genutzt würde. Wer unsicher ist, lässt sich am besten beide Varianten anhand des eigenen Verbrauchsprofils durchrechnen, denn die Antwort hängt allein davon ab, wie viel Strom du selbst nutzen kannst.
Häufig gestellte Fragen
Was bringt Volleinspeisung mehr als Teileinspeisung?
Eine höhere Vergütung pro Kilowattstunde, aktuell 12,22 statt 7,7 Cent bis 10 Kilowattpeak.
Lohnt sich Volleinspeisung für ein normales Einfamilienhaus?
Meist nicht, weil selbst genutzter Strom teuren Netzstrom ersetzt und damit wertvoller ist.
Wann lohnt sich Volleinspeisung?
Bei großen Dächern oder Gebäuden mit wenig Eigenverbrauch, deren Strom sonst kaum genutzt würde.
Kann ich später zwischen Voll- und Teileinspeisung wechseln?
Ja, die Festlegung gilt jeweils für ein Jahr und muss vor Jahresbeginn beim Netzbetreiber gemeldet werden.
Wie lange gilt die aktuelle Vergütung?
Die Sätze gelten für eine Inbetriebnahme bis 31. Januar 2027, danach sinken sie zum 1. Februar 2027 um ein Prozent.






