PV-Anlage versichern: Was du wirklich brauchst

Geschrieben von:
Patrick Meyer
Veröffentlicht am:
Photovoltaik
Kosten & Wirtschaftlichkeit

Eine Photovoltaikanlage kostet schnell 10.000 bis 20.000 Euro. Wer so viel investiert, sollte wissen, wie er diese Investition absichert und was eine Versicherung tatsächlich leistet.
Zusammenfassung
Schäden durch Sturm, Hagel oder Diebstahl verursachen Reparaturkosten und Ertragsausfall gleichzeitig. Eine Police kostet nur 35 bis 120 Euro im Jahr.
PV-Anlagen müssen aktiv angegeben werden und sind dann meist nur gegen Feuer, Sturm und Hagel versichert. Diebstahl, Tierbiss und Ertragsausfall sind in der Regel nicht enthalten.
Zusatzbaustein zur Wohngebäudeversicherung oder eigenständige PV-Police. Die separate Police bietet mehr Leistung und hält die Gebäudeversicherung schadensfrei.
Den Stromspeicher explizit mitversichern und die Anlage in der Haftpflichtversicherung anmelden, da Schäden an Dritten nicht automatisch abgedeckt sind.
Laut Stiftung Warentest erfüllten nur 33 von 80 getesteten PV-Versicherungen die Mindestkriterien. Neuwert, Selbstbeteiligung und Nebenkosten im Schadensfall genau prüfen.
Ist eine PV-Versicherung überhaupt sinnvoll?
Kurze Antwort: ja. Eine Photovoltaikanlage ist keine Haushaltsanschaffung, die man im Notfall einfach ersetzt. Sie soll sich über 20 Jahre oder länger amortisieren. Fällt sie durch einen Schaden aus, entstehen gleich zwei Probleme: die Reparaturkosten und der Ertragsausfall, weil Einspeisung und Eigenverbrauch wegfallen.
Schäden durch Sturm, Hagel oder Überspannung durch Blitzschlag können mehrere tausend Euro kosten. Dazu kommen Risiken wie Tierbiss, Diebstahl oder Bedienungsfehler. Alles Szenarien, die häufiger passieren, als man denkt. Die gute Nachricht: Eine solide PV-Versicherung kostet für ein Einfamilienhaus zwischen 35 und 120 Euro im Jahr. Das ist gemessen am Versicherungswert wenig.
Eine gesetzliche Pflicht gibt es nicht. Wer dennoch keine eigene PV-Versicherung abschließen möchte, sollte die Anlage zumindest der Wohngebäudeversicherung melden, sonst droht eine Unterversicherung.
Was leistet die Wohngebäudeversicherung und wo reicht sie nicht aus?
Viele Hausbesitzer gehen davon aus, dass ihre Wohngebäudeversicherung die PV-Anlage automatisch mitversichert. Das stimmt so nicht. Manche Versicherer schließen PV-Anlagen ein, aber nur wenn sie aktiv angegeben wurden. Der Schutz beschränkt sich dann meist auf die klassischen Gefahren Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel.
Was die Gebäudeversicherung in der Regel nicht abdeckt: Bedienungsfehler, Kurzschlüsse, Tierbiss, Diebstahl oder Ertragsausfall. Auch Elementarschäden wie Hochwasser sind nur in wenigen Tarifen enthalten.
Wer also nur auf den Grundschutz der Gebäudeversicherung setzt, geht ein kalkulierbares Risiko ein. Für größere Anlagen oder Anlagen mit Stromspeicher ist das meistens zu wenig.
Separate PV-Versicherung oder Zusatzbaustein?
Beides hat seine Berechtigung, und die Entscheidung hängt von der eigenen Situation ab.
Ein Zusatzbaustein zur Wohngebäudeversicherung hat den Vorteil, dass Schäden, die gleichzeitig Haus und Anlage betreffen, über einen Ansprechpartner reguliert werden. Das spart Nerven im Schadensfall.
Eine eigenständige PV-Versicherung bietet dagegen in der Regel mehr Leistungsumfang. Viele separate Policen decken auch Ertragsausfall, Allgefahren und den Neuwert des Wechselrichters oder Speichers ab. Ein weiterer Vorteil: Tritt ein Schaden an der PV-Anlage auf, bleibt die Gebäudeversicherung schadensfrei. Das verhindert steigende Beiträge oder eine Kündigung durch den Versicherer.
Wer eine Anlage mit Stromspeicher betreibt, sollte in jedem Fall darauf achten, dass der Speicher explizit mitversichert ist, denn er kann ähnlich teuer sein wie der Rest der Anlage.
Wann greift die Steuerbefreiung nicht?
Die Steuerbefreiung ist an klare Voraussetzungen geknüpft. Freiflächenanlagen, also Anlagen, die nicht auf einem Gebäude installiert sind, fallen grundsätzlich nicht darunter. Gleiches gilt für Anlagen, die die jeweiligen kWp-Grenzen überschreiten, sowie für Betreiber, die mit ihrer Gesamtleistung die 100-kWp-Grenze reißen.
Auch mobile Photovoltaikanlagen sind vom Nullsteuersatz ausgenommen, mit Ausnahme von Balkonkraftwerken. Bei gemieteten Anlagen gilt der Nullsteuersatz nur dann, wenn im Mietvertrag eine Übernahmeoption vorgesehen ist und die Anlage am Ende der Mietzeit zu einem geringen Preis in dein Eigentum übergeht.
Haftpflicht: Der oft vergessene Teil
Neben dem Schutz der eigenen Anlage sollte man auch an Schäden denken, die andere betreffen. Löst sich ein Solarmodul im Sturm und beschädigt das Auto des Nachbarn, greift die Privathaftpflicht in vielen Fällen nicht automatisch. Viele neuere Privathaftpflichtversicherungen schließen PV-Anlagen inzwischen ein, aber nicht alle und nicht immer ohne Aufpreis.
Es lohnt sich also, die eigene Haftpflichtpolice zu prüfen und die Anlage dort anzumelden. Alternativ bieten einige PV-Versicherungen eine integrierte Betreiberhaftpflicht an.
Was ist beim Vertragsabschluss zu beachten?
Idealerweise sucht man die Versicherung schon vor dem Kauf der Anlage. Viele Policen enthalten technische Anforderungen an die Installation, zum Beispiel Blitzschutz oder einen Wechselrichter mit Lichtbogenerkennung. Wer die Anlage erst versichert, nachdem diese Anforderungen nicht erfüllt wurden, riskiert eine Ablehnung im Schadensfall.
Wer selbst installiert statt eine Fachfirma zu beauftragen, sollte außerdem eine Montageversicherung prüfen, die während der Installation greift.
Beim Vergleich der Policen lohnt ein genauer Blick auf: Zeitwert oder Neuwert im Totalschadensfall, Höhe der Selbstbeteiligung, Wartezeiten beim Ertragsausfall sowie ob Nebenkosten wie Gerüst, Dacharbeiten und Neumontage übernommen werden.
Häufig gestellte Fragen
Welche Versicherung braucht man für eine PV-Anlage?
Entweder ein Zusatzbaustein zur Wohngebäudeversicherung oder eine eigenständige PV-Versicherung. Zusätzlich sollte die Anlage in der Haftpflichtversicherung angemeldet sein, da Schäden an Dritten nicht automatisch abgedeckt sind.
Soll man eine PV-Anlage versichern?
Ja. Eine Anlage kostet schnell 10.000 bis 20.000 Euro und soll sich über 20 Jahre amortisieren. Sturm, Hagel oder Diebstahl können teure Reparaturen und Ertragsausfall gleichzeitig verursachen. Eine PV-Versicherung kostet nur 35 bis 120 Euro im Jahr.
Was kostet eine Versicherung für eine Photovoltaikanlage?
Laut Stiftung Warentest zwischen 35 und 120 Euro pro Jahr für ein Einfamilienhaus. Als Zusatzbaustein zur Gebäudeversicherung eher ab 35 Euro, als eigenständige Police eher 65 bis 110 Euro.
Ist eine Photovoltaikanlage in der Gebäudeversicherung mitversichert?
Nicht automatisch. Die Anlage muss aktiv angegeben werden. Der Schutz beschränkt sich dann meist auf Feuer, Sturm und Hagel. Diebstahl, Bedienungsfehler und Ertragsausfall sind in der Regel nicht enthalten.
Ist Photovoltaik in der Hausratversicherung versichert?
Nur Balkonkraftwerke, sofern die Installation dem Versicherer gemeldet wurde. Eine reguläre Dachanlage ist über die Hausratversicherung nicht abgedeckt.





