Photovoltaik-Pflicht: Wo wird 2027 die Solaranlage Pflicht?

Lucas Fischer, Geschäftsführer der LuPa Sonnenenergie GmbH

Geschrieben von:

Lucas Fischer

Veröffentlicht am:

Photovoltaik

Grundlagen

Ein Photovoltaikscheibe wird in die Luft gehalten. Im Hintergrund sieht man einen klaren blauen Himmel

Ob du eine PV-Anlage installieren musst, hängt davon ab, in welchem Bundesland du baust oder sanierst, denn eine bundesweit geltende Solarpflicht gibt es 2026 noch nicht, stattdessen regelt jedes Land eigene Vorgaben. Die Pflicht greift dabei häufig beim Neubau und in vielen Ländern auch bei einer grundlegenden Dachsanierung, während bestehende private Wohnhäuser ohne größere Baumaßnahmen in der Regel nicht betroffen sind. Ab 2027 kommen allerdings bundesweite Regelungen hinzu, die schrittweise auf weitere Gebäude ausgeweitet werden.

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Wer hat eine Solarpflicht?

Vorreiter ist Baden-Württemberg, wo die Pflicht seit 2022 für Neubauten und seit 2023 auch für grundlegende Dachsanierungen gilt, und zwar mit mindestens 60 Prozent der geeigneten Dachfläche. Inzwischen haben zahlreiche Bundesländer eigene Regelungen eingeführt, darunter Berlin, Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein, wo seit März 2026 auch neue Wohngebäude betroffen sind. In Bayern gilt die Pflicht dagegen nur für Nichtwohngebäude, während bei privaten Wohnhäusern lediglich eine Empfehlung besteht. Rheinland-Pfalz und das Saarland schreiben für bestimmte gewerbliche und öffentliche Gebäude Solaranlagen vor, bei privaten Neubauten ist hingegen meist nur die Vorbereitung für eine spätere Installation verpflichtend, die sogenannte PV-Ready-Pflicht. Hessen beschränkt die Pflicht vor allem auf landeseigene Gebäude und größere Parkplätze. Keine landesrechtliche Solarpflicht besteht derzeit in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

NRW hat 2026 nachgezogen

In Nordrhein-Westfalen ist die Pflicht stufenweise eingeführt worden, denn sie gilt seit 2024 für neue Nichtwohngebäude, seit 2025 für neue Wohngebäude und seit Anfang 2026 auch bei der vollständigen Erneuerung der Dachhaut von Bestandsgebäuden, sodass sie nun ebenfalls viele Sanierungen betrifft. Bei Neubauten müssen mindestens 30 Prozent der Bruttodachfläche mit Photovoltaik belegt werden, bei Dachsanierungen sind es 30 Prozent der Nettodachfläche, also der tatsächlich nutzbaren Fläche. Alternativ reichen bei sanierten Wohngebäuden mit maximal zwei Wohneinheiten beispielsweise auch 3 kWp installierte Leistung aus. Ob sich eine größere Anlage lohnt, hängt vom Stromverbrauch und den Kosten ab, weshalb du die Anlagengröße nicht allein an der gesetzlichen Mindestanforderung ausrichten solltest.

Was zählt als grundlegende Dachsanierung?

Entscheidend ist häufig die vollständige Erneuerung der Dachabdichtung oder Dacheindeckung, sodass die Pflicht in der Regel nicht greift, wenn du nur einzelne Ziegel austauschst oder kleinere Schäden behebst, sondern erst bei umfangreicheren Arbeiten am Dach. Allerdings unterscheiden sich die Vorgaben je nach Bundesland, denn während in NRW die vollständige Erneuerung der Dachhaut maßgeblich ist, können in Bremen bereits Arbeiten an mindestens 80 Prozent der Dachfläche eine Pflicht auslösen. Wer ohnehin saniert, sollte die PV-Anlage deshalb gleich mitplanen, weil sich Gerüst, Dachdecker und Elektriker dann in einem Aufwasch koordinieren lassen.

Welche Ausnahmen gibt es?

Keine Solarpflicht gilt ausnahmslos, denn überall dort, wo eine Installation technisch nicht möglich oder wirtschaftlich nicht vertretbar ist, können Ausnahmen greifen, etwa bei stark verschatteten Dächern, zu geringer Tragfähigkeit oder besonderen Auflagen durch den Denkmalschutz. Auch ungünstige Dachausrichtungen und sehr kleine Dachflächen können berücksichtigt werden, wenn eine sinnvolle Belegung nicht möglich ist. In manchen Bundesländern lässt sich die Pflicht außerdem durch eine Solarthermieanlage erfüllen, während andernorts besondere Befreiungen beantragt oder nachgewiesen werden müssen. Die genauen Ausnahmen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland, weshalb sich im Zweifel ein Blick in die jeweilige Landesregelung oder eine kurze Rückfrage bei der Baubehörde lohnt, bevor du eine Anlage ausschließt oder fest einplanst.

Lohnt sich die Pflichtanlage überhaupt?

Auch wenn eine Pflicht zunächst nach zusätzlichem Aufwand klingt, kann sich die Anlage langfristig lohnen, weil jede selbst genutzte Kilowattstunde teuren Netzstrom ersetzt und dadurch die laufenden Stromkosten sinken. Ob sich die Investition tatsächlich bezahlt macht, hängt allerdings von den Anschaffungskosten, dem eigenen Stromverbrauch und der Einspeisevergütung ab. Die gesetzlich geforderte Mindestbelegung ist dabei nicht immer das, was wirtschaftlich sinnvoll wäre, sodass es sich häufig lohnt, das Dach großzügiger zu belegen, statt nur die Pflicht zu erfüllen. Wer ohnehin bauen oder das Dach sanieren muss, sollte die Gelegenheit deshalb nutzen, die Anlage gleich passend zum eigenen Bedarf zu dimensionieren.

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Der Blick nach vorn

Mit dem im Juli 2026 beschlossenen Gebäudemodernisierungsgesetz kommt ab 2027 eine bundesweite Solarpflicht hinzu, die schrittweise eingeführt wird. Zunächst gilt sie für neue öffentliche Nichtwohngebäude und neue Nichtwohngebäude mit mehr als 250 Quadratmetern Nutzfläche, ab 2028 folgen bestimmte größere Bestandsgebäude und ab 2030 grundsätzlich auch neue Wohngebäude. Für bestehende öffentliche Gebäude gelten weitere Fristen bis 2031, während die Bundesländer ihre strengeren Regelungen beibehalten können. Ausnahmen sind weiterhin möglich, wenn die Installation technisch unmöglich oder wirtschaftlich nicht zumutbar ist. Wer baut oder saniert, sollte die geltenden Vorgaben deshalb frühzeitig klären, denn eine rechtzeitige Planung verhindert unnötige Mehrkosten und spätere Änderungen am Bauvorhaben.

Häufig gestellte Fragen

Gibt es eine bundesweite Solarpflicht?

Noch nicht, bisher gelten unterschiedliche Regelungen der Bundesländer. Ab 2027 wird jedoch eine bundesweite Solarpflicht schrittweise eingeführt, die zunächst größere Nichtwohngebäude und ab 2030 auch neue Wohngebäude betrifft.

Muss ich bei einer Dachsanierung eine PV-Anlage installieren?

In mehreren Bundesländern wie Baden-Württemberg, Hamburg, Bremen und seit 2026 auch NRW ja. Entscheidend ist, wie umfangreich die Dachsanierung ausfällt, denn die gesetzlichen Anforderungen unterscheiden sich je nach Bundesland.

Zählt der Austausch einzelner Ziegel als Sanierung?

Nein, kleinere Reparaturen lösen in der Regel keine Solarpflicht aus. Erst bei umfangreicheren Dacharbeiten kann eine Installation verpflichtend werden, wobei die erforderliche Sanierungsfläche je nach Bundesland unterschiedlich geregelt ist.

Welche Bundesländer haben keine Solarpflicht?

Derzeit bestehen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen keine landesrechtlichen Solarpflichten für Gebäude. In Brandenburg wurde die zuvor geltende Pflicht 2026 wieder abgeschafft.

Was passiert bei einem Verstoß?

Je nach Bundesland drohen behördliche Anordnungen und Bußgelder, in Schleswig-Holstein beispielsweise bis zu 50.000 Euro. Außerdem kann die nachträgliche Installation einer Solaranlage erforderlich werden, was zusätzliche Kosten verursacht.